Ab dem Schuljahr 2026/2027 lernen die Kinder an unserer Schule wieder in jahrgangsbezogenen Klassen. Es wird jeweils zwei 1., 2., 3. und 4. Klassen geben. Diese Entscheidung ist kein Bruch mit unserer bisherigen Arbeit, sondern ihre Weiterentwicklung.
Seit dem Schuljahr 2005/06 haben wir in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen unterrichtet – zunächst mit vier Jahrgängen (1–4), seit 2013/14 in den Kombinationen 1/2 und 3/4. In diesen zwanzig Jahren haben wir viel darüber gelernt, wie Unterricht gelingt, der vom einzelnen Kind aus gedacht wird. Genau dieses Wissen nehmen wir mit.
Warum wir uns verändern
Kindheiten sehen heute anders aus als vor zwanzig oder auch nur vor zehn Jahren. Die Voraussetzungen, mit denen Kinder zu uns kommen, und die Kompetenzen, die sie erwerben müssen, haben sich verändert – allein die rasante Entwicklung im Medienbereich
verlangt die Fähigkeit, aus einer Fülle von Informationen auszuwählen. Für den Wechsel zum jahrgangsübergreifenden System gab es vor vielen Jahren gute Gründe. Nach sorgfältiger Prüfung sind wir heute der Auffassung, dass für die Kinder an unserem Standort eine jahrgangsbezogene Struktur die bessere Grundlage bietet: Sie schafft klare, verlässliche Bezugsgruppen und erlaubt es zugleich, innerhalb der Klasse konsequent zu differenzieren.
Unsere Bildungsziele
Drei Ziele leiten unseren Unterricht in allen Klassen und Fächern:
Eigenverantwortung und Selbstständigkeit. Kinder sollen ihr eigenes Lernen zunehmend selbst in die Hand nehmen: sich Zeit einteilen, Arbeitsschritte planen, Ergebnisse einschätzen und Verantwortung für den eigenen Lernweg übernehmen.
Soziale Kompetenzen und Werteerziehung. Rücksichtnahme, Toleranz, respektvoller Umgang und ein Gefühl der Zugehörigkeit sind für uns kein Beiwerk, sondern selbstverständliche Aufgabe des Unterrichts. Patenschaften, Helfersysteme und kooperative Arbeitsformen bleiben feste Bestandteile unseres Schullebens – auch jahrgangsübergreifend, etwa zwischen Partnerklassen und im Schulleben insgesamt.
Kommunikationsfähigkeit durch sprachsensiblen Unterricht. Sprache ist der Schlüssel zu jedem Fach. Deshalb gestalten wir den Unterricht in allen Fächern sprachsensibel: Wir machen Fachsprache bewusst zum Thema, geben sprachliche Hilfen, schaffen viele Sprechanlässe und begleiten Kinder gezielt beim Aufbau ihres Wortschatzes.
Wie wir unterrichten
Auch im Jahrgangsunterricht behalten wir die Formen bei, die sich bei uns bewährt haben. Offene und gebundene Formen wechseln in sinnvollen, auf den Unterrichtsinhalt bezogenen Epochen.
- Zu den gebundenen Formen gehören das Gruppengespräch und der lehrerinnenzentrierte Unterricht: Alle arbeiten gemeinsam an einem Thema, tauschen sich aus, lesen vor und stellen Arbeitsergebnisse vor.
- Zu den offenen Formen zählen die Arbeit mit dem Tages- und Wochenplan, das Lernen an Stationen, Werkstattarbeit, Freiarbeit und kooperative Lernformen.
Tages- und Wochenplan: Neben verpflichtenden Aufgaben aus den Lernbereichen und Fächern wählen die Kinder gleichberechtigt eigene Arbeiten und Themen. Das fördert Zeiteinteilung, Selbstorganisation und Verantwortung für das eigene Lernen.
Lernen an Stationen: Zu einem Thema stehen verschiedene Lernangebote bereit; die Reihenfolge der Arbeitsschritte bestimmen die Kinder selbst.
Werkstatt: Fächerübergreifende Lernangebote mit Pflicht- und Wahlaufgaben, in Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit. Kinder werden zu Expertinnen und Experten und geben ihr Wissen weiter.
Freiarbeit: Die Kinder bestimmen Inhalte, Aufgaben sowie Arbeits- und Sozialformen selbst. Indem sie ihre Ergebnisse der Lehrerin, einzelnen Kindern oder der Gruppe präsentieren, erfahren sie Rückmeldung und Wertschätzung.
Kooperative Lernformen (nach Norm Green) entwickeln Sozialkompetenz und strukturieren die Wahrnehmung. Ihre Basiselemente sind positive Abhängigkeit, individuelle Verantwortlichkeit, soziale Kompetenzen, partnerbezogene Kommunikation und Prozessevaluation.
Was der Jahrgangsunterricht zusätzlich ermöglicht
- Lernstände einer Altersgruppe lassen sich genauer beobachten und gezielter aufeinander aufbauend fördern.
- Fordern und Fördern können innerhalb der Klasse konsequent differenziert werden – nach oben wie nach unten.
- Sprachliche Förderung kann eng an den Entwicklungsstand des jeweiligen Jahrgangs angepasst werden.
- Die Klassenteams arbeiten weiterhin sehr eng zusammen und stimmen Inhalte, Materialien und Diagnostik parallel ab.
- Die Flexible Schuleingangsphase bleibt erhalten: Ein Verbleiben von einem bis drei Jahren ist weiterhin unkompliziert möglich.
Unser Unterricht folgt damit auch künftig den Richtlinien für die Grundschule, die eigenverantwortliches Lernen in selbstgesteuerter Differenzierung, einen sinnvollen Wechsel offener und gebundener Formen sowie Sozialerziehung als selbstverständliche Aufgabe des Unterrichts fordern.